Kunstrasen als Quelle für Mikroplastik

Kunstrasen als Quelle für Mikroplastik

Was ist Kunstrasen und woher kommt das Mikroplastik?

Kunstrasen ist eine Nachbildung eines echten Rasens mithilfe von Kunststoffhalmen. Dieser wird häufig auf Fußballplätzen verwendet und simuliert die guten Eigenschaften eines Naturrasens, die es für ein gutes Spielerlebnis bedarf. Das Fraunhofer Institut fand heraus, dass Kunstrasenplätze die drittgrößte Quelle für Mikroplastik sind. Besonders Kunstrasenplätze im Fußball spielen hierbei die größte Rolle. Laut Angaben des Instituts gelangen 11 Millionen Tonnen der Plastikpartikel in unsere Umwelt. Dies geschieht, da der Kunststoffrasen mit einem Kunststoffgranulat, oder auch Gummigranulat genannt, aufgefüllt wird. Die Kunststoffhalme an sich sind hierbei nicht das Problem. Das Granulat hat die Funktion der Erde auf normalen Rasensportplätzen übernommen: Es dient der Dämpfung und dem Schutz der Spieler vor Verletzungen und hat Einfluss auf Rolleigenschaften des Balls. 

Von welchen Ausmaßen ist die Rede?

Die Menge des Granulats beläuft sich hochgerechnet für einen einzelnen Sportplatz auf etwa 35 Tonnen und muss stetig nachgefüllt werden, um Löcher und Unebenheiten zu entfernen, die im Laufe der Zeit durch Abnutzung bzw. Abrieb entstehen. 

Laut Schätzungen des Deutschen Fußballbundes gibt es in Deutschland zwischen 3.000 und 5.000 Kunstrasenplätze. Dies entspräche hochgerechnet auf ganz Deutschland zwischen 105.000 -175.000 Tonnen Mikroplastik Granulat!
Dieses Gummigranulat wird durch Wind und Regen, sowie durch Abrieb während eines Spiels, in die Umwelt getragen und landet somit in der Natur und im schlimmsten Fall im Grundwasser und letztendlich im Trinkwasser. Auch durch das Waschen der Trikots gelangen die Plastikpartikel über das Abwasser ins Grundwasser.

Gibt es Alternativen? 

Es Bedarf dringend umweltfreundlicher Alternativen, etwa einem Naturstoff mit Eigenschaften des Kunststoffgranulats, welches natürlich abbaubar und unbedenklich ist. Möglich wäre hierbei eventuell Korkgranulat. Dieses wird bereits vom Sportverein Greuther Fürth verwendet und ist völlig frei von Mikroplastik. Dieses ist deutlich teurer und hat leicht andere Spieleigenschaften. Auch natürlicher Quarzsand wäre eine ökologische Möglichkeit, doch die Verletzungsgefahr und das Ballverhalten sprechen hier dagegen.
Eine weitere, aber umstrittene Lösung wäre ein Hybridrasen. Hierbei werden Kunststoffrasen und Naturrasen miteinander verwoben. Bei diesem Ansatz wird vor allem kritisiert, dass man den künstlichen Anteil bei der Entsorgung kaum noch vom organischen trennen könne und eine biologische Entsorgung so nicht möglich ist. Zudem könne man so den Platz im Winter nicht bespielen, da der Hybridrasen, anders als der reine Kunstrasen einfriert

Wie steht es um die Vereine? 

Da die EU bis 2022 Mikroplastik gesetzlich verbieten möchte, wird es für die Sportverbände und Vereine eng. Da es in Deutschland schätzungsweise bis zu 5.000 Kunstrasenplätze gibt, könnte ein solches Verbot eine ernste Gefahr für den Fußball darstellen. Aus diesem Grund möchte der Deutsche Fußball Bund (DFB) eine Übergangszeit von 6 Jahren beantragen, um weiterhin Kunstrasenplätze bespielen zu dürfen und um in dieser Zeit eine Lösung, frei von Mikroplastik, zu finden.  Um zu verhindern, dass tausende Sportanlagen still gelegt werden und vor allem die kleinen Vereine Schaden erleiten, setzt sich der Innenminister Horst Seehofer dafür ein, dem Kunstrasen eine Gnadenfrist zu gewähren. Dennoch: eine neue Lösung muss her, wenn der Kunstrasen und somit die Kunstrasenplätze eine Chance haben sollen. Alternativ bleibt ansonsten nur der teure und pflege-aufwendige Naturrasen.

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