Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik
Von Raceforwater - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39896750

Auch wenn es keine international anerkannte Definition gibt, verstehen viele Ämter und Behörden unter dem Begriff Mikroplastik feste Plastikteilchen, die einen Durchmesser von unter 5 mm haben. In aller Regel sind die Plastikstücke aber kleiner als 1 mm, weshalb es so schwierig ist sie mit bloßem Auge zu erkennen. Mikroplastik wird in zwei unterschiedliche Arten eingeteilt: in das primäre und in das sekundäre Mikroplastik.

Primäres Mikroplastik

Unter das primäre Mikroplastik fallen alle sogenannten Kunststoffpellets, die in feiner oder flüssiger Form von der Industrie zur Weiterverarbeitung hergestellt werden. Das Plastikgranulat wird in Putzmitteln, Kunstrasenplätzen, Anstrichfarben, aber vor allem in Kosmetikprodukten, wie Duschgels, Zahncremes oder Peelings eingesetzt. Laut Hersteller soll durch die Verwendung der Partikel eine besonders gründliche Reinigung von Hautporen und Zähnen garantiert werden. Bekannt ist jedoch auch, dass der Schaden, der durch diese Kosmetika verursacht wird, weitaus größer ist, als ihr individueller Nutzen. Viele Kosmetikhersteller haben bereits bekannt gegeben, kein Mikroplastik mehr zu verwenden. Dem liegt allerdings das Problem zu Grunde, dass von den meisten Firmen nur feste Plastikpartikel als Mikroplastik eingestuft werden.     

 

Sekundäres Mikroplastik

Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den photolytischen Zerfall von größeren Kunststoffteilen. Dieser wird durch verschiedene Umwelteinflüsse, wie Sonneneinstrahlung oder Wellenbewegungen begünstigt. Als Hauptverursacher gilt, mit einem Anteil von über 50%,  der Reifenabrieb von Autoreifen. Gefolgt von dem Schuhsohlenabrieb und dem Waschen von synthetischer Kleidung, dem über ein Drittel des Mikroplastiks in den Meeren geschuldet ist. Wenn das Plastik erst einmal in seine Ursprungsform zerfallen ist, ist es nicht mehr möglich es aus den Gewässern zu entfernen. Es kann nur noch durch den natürlichen Abbau – ein Prozess, der mehrere Jahrhunderte andauert – eliminiert werden. 

Wie gelangt das Mikroplastik in die Umwelt?

Wie bereits im vorherigen Abschnitt angesprochen, trägt der Reifenabrieb den größten Teil zur Umweltverschmutzung mit Mikroplastik bei. Die Plastikteilchen werden von den Straßen durch Regenwasser in nahe liegende Gewässer gespült, wo sie mit Hilfe der Strömung in die Ozeane gelangen.  Die Kunststofffasern von synthetischer Kleidung und die Partikel aus Kosmetikprodukten werden nach dem Waschen zusammen mit dem Abwasser zur nächsten Kläranlage geleitet. Moderne Kläranlagen sind in der Lage 95% des Mikroplastiks herauszufiltern. Die übrigen 5% gelangen ungehindert in die Flüsse und somit auch in die Meere. Da es deutschlandweit aber an Müllverbrennungsanlagen fehlt, findet sich der Klärschlamm häufig als Dünger für die Äcker in der Umwelt wieder. Aber selbst wenn es durch den neusten Stand der Technik möglich wäre die Mikroplastikteilchen rückstandlos herauszufiltern und es ausreichend Verbrennungskapazitäten gäbe,  würde das das Problem nicht lösen, denn einige Länder auf dieser Welt verfügen erst gar nicht über Klärwerke. 

Wie wirkt sich Mikroplastik auf die Umwelt aus?

Wegen der verhältnismäßig großen Oberfläche, zieht das Mikroplastik Umweltgifte wie ein Magnet an sich. Da sich in den Gewässern zahlreiche Giftstoffe, zu denen Schwermetalle und weitere schwer abbaubare Schadstoffe zählen, befinden, können sich diese auf der Kunststoffoberfläche ablagern und anreichern. Auf dem Mikroplastik wurden Schadstoffkonzentrationen gemessen, die zum Teil hundertmal so hoch waren, wie die des untersuchten Wassers. Ein daraus resultierendes Problem ist die Aufnahme der Teilchen durch die Meereslebewesen. Diese erfolgt entweder passiv durch die Filtration des Wassers oder aktiv durch die Nahrungszufuhr. Dementsprechend wenig verwunderlich ist der Nachweis von Mikroplastik in Seehunden, Fischen, Muscheln und anderen kleineren Organismen. Dabei sind die Folgen für die Tiere oft prekär: Gewebeveränderungen, Entzündungsreaktionen, toxikologische Auswirkungen, bis hin zur Schädigung der Organe und eine erhöhte Sterberate sind nur einige der bisher erforschten Effekte auf die Gesundheit der Meerestiere.

Unser Mikroplastik Factsheet

Um die Problematik Mikroplastik leichter zugänglich zu machen, haben wir ein sogenanntes Factsheet erstellt. Dieses verdeutlicht auf einen Blick, was es zum Thema Mikroplastik zu wissen und zu beachten gibt. Zudem werden eine Reihe von Plastikfreien Alternativen genannt, welche Ihnen als Inspiration für ein Plastikfreieres Leben dienen können. 
Dieses Werk darf gerne geteilt und veröffentlicht werden. 

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